Armin Diel: Festrede vom 5. September 2002
 anlässlich des 200. Jubiläums von Schlossgut Diel


Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Beck,
Herr Landrat Velten,
Herr Bürgermeister Zimmer,
Herr Ortsbürgermeister Fastner,
meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freunde.
Dear friends from around the globe, from the United States,
from England, from Singapore and New Zealand!

Gerade in unserer schnelllebigen Zeit ist es schon etwas besonderes,
 wenn es eine Familie geschafft hat, über sechs Generationen hinweg in dem
selben Beruf und am gleichen Ort zu bestehen. Darauf sind wir Diels schon ein
bisschen stolz! Im Namen der gesamten Familie Diel ist mir eine besondere Freude,
Sie anlässlich des 200-jährigen Jubiläums unseres Weingutes begrüßen zu dürfen.
Ein solches Jubiläum ist gewöhnlich ein willkommener Anlass Rückschau zu halten.
Das möchte ich allerdings nur andeutungsweise tun, denn, erstens, haben wir heute eine
Reihe von Festrednern unter uns, denen ich im sprichwörtlichen Sinne nicht die Butter
vom Brot nehmen möchte. Und zweitens ist eine Chronik in Arbeit, die alle wesentlichen Phasen dieser 200 Jahre und der bis ins 12. Jahrhundert zurückgehenden Geschichte
der Burg Layen selbst behandeln wird. In diesem Zusammenhang darf ich all denen
schon jetzt meinen herzlichen Dank zum Ausdruck bringen, die an der Realisierung
dieses ehrgeizigen Projektes beteiligt waren und noch sind.

Es soll für mich überhaupt eher die Stunde des Dankes sein, der in
besonderer Weise unseren Kunden gilt, die ganz maßgeblich dafür Verantwortung
tragen, dass Schlossgut Diel heute im In- und Ausland einen vorzüglichen Ruf genießt.
Diel-Wein gibt es heute in nahezu allen Spitzenrestaurants des Landes, an Bord der
Motorschiffe Deutschland und Europa ebenso wie in Kürze wieder einmal, passend zu
unserem Jubiläum, in der Business Class der Lufthansa – wordwide. Apropos, der
Exportanteil hat in den 90er Jahren erheblich zugenommen, er liegt mittlerweile 
bei stattlichen 40 Prozent, Tendenz steigend. I thank all our customers
and partners for their wonderful help to promote Schlossgut Diel
as one of Germany´s finest wine estates.

Mein Dank gilt weiterhin allen Lieferanten, Geschäftspartnern und
externen Beratern, die gerade für ein kleines Unternehmen wie Schlossgut
Diel von unerhörter Bedeutung sind. Ein Wort des Dankes auch an meine Winzer-
kollegen an der Nahe und in den benachbarten Regionen. Ich freue mich sehr, dass Ihr
heute unter uns weilt. Dies ist auch Ausdruck der Wertschätzung dafür, dass die Nahe
heute ein verlässlicher Partner für die benachbarten Prädikatsweingüter an Rhein,
Mosel und Ahr geworden ist. Mit etlichen verbindet mich
heute eine persönliche Freundschaft
  
Danken möchte ich zu guter letzt meinen Mitarbeitern, von denen
ich stellvertretend Herrn Bernd Benz nennen möchte, der seit nunmehr
27 Jahren unserem Weingut die Treue gehalten hat. Darüber hinaus natürlich
meiner gesamten Familie: Meinen Eltern dafür, dass sie mir das Weingut vor
15 Jahren im zarten Alter von 34 Jahren anvertrauten, meinen Geschwistern und
Onkels aber auch unseren Freunden dafür, dass sie uns ermutigten diese Aufgabe in
schwieriger Zeit beherzt anzugehen. Wenn ich an dieser Stelle vom Singular auf den
Plural wechsele, ist dies kein Zufall. Denn es ist gewiß nicht nur eine Binsenweisheit,
dass hinter jedem – wenn ich das in grenzenloser Unbescheidenheit einmal so sagen darf
 hinter jedem erfolgreichen Mann eine starke Frau steht. Mo ist aber nicht nur stark im Sinne
guter Nerven, weitaus besser als meine sind sie ganz gewiß! Sie ist, wie unser Schwarzwälder
Freund Hermann Bareiss es in einem Brief zum Jubiläum nannte, ein Prachtmensch von Frau. Schöner hätte ich es nicht ausdrücken können, denn es stimmt. Die vergangenen
26 Jahre, 23 davon im Stand der Ehe, haben ganz maßgeblich dazu
beigetragen, aus mir einen glücklichen Menschen zu machen.

Mächtig stolz sind wir auf unsere beiden Kinder Caroline und Victor.
Die Art und Weise wie sie sich, aber auch ihre Freunde Julia und Martin, in die
Vorbereitung unseres Jubiläumsfestes eingebracht haben, ist fabelhaft. Nicht nur deswegen
machen wir uns um die Zukunft von Schlossgut Diel keine Sorgen. Es gibt unverkennbare
Signale dahingehend, dass Caroline oder Victor, möglicherweise auch beide gemeinsam dafür
sorgen werden, dass irgendwann ein 250-jähriges Jubiläum zu feiern ist.

Mancher wird sich vielleicht  gefragt haben, wieso wir den heutigen Tag
nicht bei uns im Weingut in Burg Layen verbringen. Ortskundige wissen, dass es
keineswegs an dem benötigten Platz gefehlt hätte. Einer eher zufälligen Begebenheit
verdanke ich die Entscheidung für das Orgel ART Museum, welches erst im Spätsommer 2001 seine Pforten öffnete. Bei einem Rundgang entdeckte ich eine historische Orgel
aus dem Jahr 1802. Die spontane Idee war diese Orgel aus dem Gründungsjahr unseres
Gutes in Betrieb zu nehmen. Der Empfehlung der Familie Oberlinger folgend,
deren Initiative das Orgelmuseum seine Existenz verdankt, habe ich den
Mainzer Domorganisten Albert Schönberger eingeladen, der Bürgy-Orgel
aus dem Jahr 1802 einige historische Weisen zu entlocken.

Nun zu den Festrednern des heutigen Abends, denen ich sehr
dankbar bin, dass Sie spontan meine Einladung angenommen haben.
Ich darf mir erlauben, ohne, dass damit eine Wertung verbunden ist,
sie in umgekehrter Reihenfolge des Programmes vorzustellen:

Die Familien Diel und Pieroth sind seit Generationen Nachbarn in Burg Layen
und Kollegen in Sachen Wein, in gewisser Hinsicht also auch natürlich Konkurrenten.
Seit Jahrzehnten bewundern die Diels den unerhörten Geschäftserfolg, den man mit
Wein haben kann, mitunter hatte ich als Kind aber auch das unbestimmte Gefühl, dass
diese Bewunderung durchaus auch von einer Spur Neid begleitet war. Meinen
uneingeschränkten Respekt verdient Kuno Pieroth nicht allein dafür, dass er –
immerhin größter Gesellschafter der heute WIV genannten Pieroth-Gruppe –
bis auf den heutigen Tag ein überaus bescheidener Mensch geblieben ist.  Er ist
mir ein wertvoller Freund geworden, dessen Rat mir sehr viel bedeutet.
   
Als ich Heinz-Gert Woschek Mitte der 70er Jahre kennen lernte,
schrieb es regelmäßige Weinkolumnen für das erste Feinschmeckerblatt namens
„Essen & Trinken“. Zehn Weinbücher hatte er seinerzeit bereits geschrieben, als er
sich Anfang der 80er Jahre  anschickte mit seiner Zeitschrift „Alles über Wein“ neue
Maßstäbe in der deutschen Weinpublizistik zu setzen. Woschek war es übrigens, der dafür
sorgte, dass in der Zeitschrift Bacchus meine erste Restaurantkritik über eine Reihe
von Restaurants in Venedig erschien. Dies war der Anfang eine recht merkwürdige
 Karriere, die mich Ende der 80er Jahre Bekanntschaft mit  verschiedenen Land-
und Oberlandesgerichten schließen ließ, en BGH inklusive. Allesamt gottlob
mit Happy end!
Ich danke Heinz-Gert Woschek sehr, dass er alle diese Wellentäler
an meiner  Seite durchgestanden hat und er bis zum heutigen Tag meine Beiträge,
seit 1991  auch die gemeinsam mit Joel Payne erarbeiteten, regelmäßig in der
Zeitschrift ALLES ÜBER WEIN publiziert. Das Thema Gastronomiekritik,
das nur so nebenbei, habe ich mit dem Jahr 2002 beendet.

Michael Prinz zu Salm-Salm kenne ich noch länger: wir sind zwar
Altersgenossen, waren aber nicht auf der gleichen Schule. Neben unserer barocken
Leibesfülle verbindet uns unter anderem, dass wir beide in dem exzellenten Weinjahr
1953 geboren sind, also im nächsten Jahr 50 Jahre alt werden.  Ich erinnere mich noch
sehr gut an das Jahr 1989, als unser Weingut nach mehrmaligen vergeblichen Anläufen
endlich in den Verband der Prädikatsweingüter an der Nahe aufgenommen wurde.
Am Abend der entscheidenden Sitzung rief mich Michael Salm kurz an, um mich von
 dem Ergebnis der Abstimmung zu unterrichten: „Irgendwie haben die Angst vor Dir,
 Armin, deshalb hätte ich fast gegen Deine Aufnahme gestimmt.“ Noch heute bin
ich froh, lieber Michael, dass Du das damals nicht getan hast und wir nun schon
13 Jahre im VDP-Nahe gemeinsam für ein noch besseres Ansehen unserer
Region und des deutschen Weines insgesamt arbeiten können.

Herrn Dr. Friedrich Schmitt lernte ich erst vor wenigen Jahren kennen,
genau genommen war es im Jahr 2000. In der Zeitung hatte ich von einer
Ausstellung gelesen,  welche sich mit der 200 Jahre zurückliegenden Geschichte
der Mairie Langenlonsheim  beschäftigte. Dr. Schmitt hielt den Festvortrag. Da ich
den festen Vorsatz hatte mehr über den Zeitraum des Kaufes der Burg Layen im Jahr 1802
in Erfahrung  zu bringen, dachte ich, das ist der richtige Mann. Ich rief ihn an und verabredete mich  mit ihm. Nachdem ich ihm mein Anliegen vorgetragen hatte, sagte er mir spontan
seine Unterstützung zu, allerdings unter einer sonderbaren Bedingung. Er mache dies
nur, wenn ich ihm dafür nichts zahle, denn er schulde der Familie Diel noch einen
 Dank. Hintergrund war der folgende: Als es in den 60er Jahren um die Berechnung
seines Pensionsanspruches ging, wollte man Friedrich Schmitt seine Militärdienstjahre
 nicht in seine Anwartschaften einbeziehen. Ein Besuch bei dem damaligen
Landtagsabgeordenten Jacob Diel habe allerdings schnell für Abhilfe gesorgt.
Ich danke Herr Dr. Schmitt aufrichtig dafür, dass er wochenlang in Archiven
herumgestöbert hat, um fündig zu werden. Seine Funde werden ein
wichtiger Bestandteil einer Chronik sein, die in den
nächsten Monaten fertig gestellt werden soll.

Zu guter letzt freue ich mich ganz besonders, dass der rheinland-
pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck heute Abend unter uns weilt
und zu uns sprechen wird.  Ursprünglich war dieser Festakt für heute Nachmittag
16.00 Uhr geplant, als mir die  Staatskanzlei dann aber vor drei Monaten mitteilte, dass
Herr Beck um 17.00 Uhr  in Trier noch einen unaufschiebbaren Wahlkampftermin mit dem Bundeskanzler wahrnehmen müsse, verlegten wir die Uhrzeit sogleich auf 19.00 Uhr.
Sie sind, sehr geehrter Herr Ministerpräsident Beck, soeben mit dem Hubschrauber
von Trier eingetroffen und es freut mich, dass Sie den Abend hoffentlich stressfrei in
unserer Mitte ausklingen lassen können. Ihre Staatskanzlei hat mir jedenfalls
signalisiert, dass Sie heute keinen weiteren Verpflichtungen haben.
Herr Ministerpräsident, ich darf Sie höflich auf die Bühne bitten.

Vorher gestatten Sie mir, bitte, noch ein Bonmot von Philippine
de Rothschild, seit 1973 Inhaberin von Mouton-Rothschild.
Kürzlich sagte sie bei einem Dinner in Paris:  „Es ist überhaupt
kein Problem ein Weingut über Generationen im Familienbesitz zu
bewahren. Schwierig sind nur die ersten 200 Jahre!“
 

 

 

 

 
 
 


Schlossgut Diel
Inhaber: Armin Diel
D-55452 Burg Layen

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