Kuno Pieroth: Festrede vom 5. September 2002 anlässlich des 200. Jubiläums von Schlossgut Diel Nach den Vorrednern spreche ich als Nachbar der Familie Diel zu Ihnen. Nachbar ist zunächst etwas verwunderlich. Nachbar kann aber ein Ehrentitel sein, wenn die Nachbarschaft richtig praktiziert worden ist. Ich habe den Vorteil, vier Generationen der Familie Diel kennen gelernt zu haben. Lassen sie mich einiges aus vier Generationen herausgreifen:
Ich erinnere mich noch gut an die Besuche von Elfriede und Jakob Diel bei meinen Eltern. Jakob Diel war in Gedanken immer am Verändern und Verbessern der politischen Landschaft. Vielleicht war das die Ursache dafür, dass aus einer so kleinen Gemeinde zwei Bundestagsabgeordnete, der zweite war mein Bruder Elmar, kamen. Für uns Kinder waren es damals lange, anstrengende Nachmittage. Etwas war auffällig: Wir haben unseren Vater wiederholt gefragt, warum bringt die Frau Diel denn immer ihren eigenen Wein mit.
Der Kontakt zur nächsten Generation war für mich schon persönlicher. Ingo Diel habe ich erfahren als einen Weingutsbesitzer auf der Suche nach neuen Wegen: Im Weinbau Versuchsring, in dem auch unser Gutsverwalter Freitag als Vorstandsmitglied tätig war. Von den Erkenntnissen und Erfahrungen haben alle profitiert: Auch der Weg von Armin „zurück zur Klassik“ war deswegen einfacher. Lassen sie mich Fernand Léger zitieren: „Ein Kunstwerk muss das Zeichen seiner Epoche tragen“: Übertragen auf den Wein: Ingo ist neue Wege gegangen, Armin ging zurück zur Klassik; beides waren Innovationen.
Die dritte Generation, also Armin Diel, habe ich 1973 kennen gelernt, als Armin interessiert war, für einige Wochen ausländische Weinkunden in unserem Unternehmen zu besuchen. Daraus wurden dann vier sehr erfolgreiche Wochen in London, wo unsere erfahrenen Verkäufer erstaunt waren, wie viel dieser junge Armin Diel verkaufen konnte. Lieber Armin, diese Zeit war für uns beide der Beginn einer sehr interessanten, offenen und sympathischen Freundschaft.
Diese Unterhaltung hat sich mit der nächsten (vierten) Generation fast 30 Jahre später wiederholt: Während der Weinlese 2001 fuhr ich bei Diels vorbei, sah dort die Familie mit vielen Lesern beim Mittagessen im Hof und wurde zu einer deftigen Suppe eingeladen. Ich saß mit Victor zusammen, der sehr interessiert war, mal für uns in Spanien Kunden zu besuchen. Ohne Sprachkenntnisse allerdings etwas schwer. Deswegen haben wir uns schnell auf das englisch sprechende Hong Kong geeinigt. Und jetzt die positive Wiederholung: Sehr erfolgreiche Umsatzwochen in Hong Kong, sehr gute Geschäftsanbahnungen auch für das Weingut Diel.
Lieber Armin: Auf die nächste Generation kannst Du stolz sein: Auf die Mitarbeit und das Engagement von Caroline, deren anspruchsvolle Ausbildung in berühmtesten Weinhäusern, wie Domaine de la Romanée-Conti, Château Pichon Longueville-Comtesse und Champagne Ruinart geführt hat. Ein Kompliment des Nachbarn an die erfolgreiche Familie Diel.
Der Einsatz von Victor und Dein Besuch in Japan haben dann auch dazu geführt, dass heute Diel eines von wenigen Spitzenweingütern ist, die Pieroth mit sehr gutem Erfolg in Japan vertritt. Qualität ist hier überhaupt kein Problem, aber die Menge ist für Japan begrenzt.
Der Kontakt der beiden Familien über die Straße war unterschiedlich: Ein Scharmützel aus den 20er Jahren, das ich nur aus dem Schriftverkehr kenne: Mein Großvater baute mit seinen Söhnen den Gutshof aus, mit einem Zwiebelturm als Zeichen des Wohlstandes. Dazu kam ein Einspruch von Jakob Diel. Aber man konnte sich einigen: Der Turm durfte allerdings die Höhe der Burg nicht überschreiten, eine Einigung a la San Gimignano. Aus dieser Zeit gab es offensichtlich ein Interesse an der Burg: Die Aussage „nicht für die Burg“ ist mir noch in bester Erinnerung. Dieser Ausdruck umschrieb sinngemäß: „Ich möchte ja gern kaufen, aber das ist doch zu teuer, ....“ - In dieser Hinsicht verstehe ich unsere frühere Pieroth Generation nicht. Wir sind doch in einem beneidenswerten Zustand: Wenn ich aus meinem Büro rausschaue, sehe ich die Burg Layen, diese Perle, den wunderschönen Schlossgarten und brauche mich um die aufwändige Pflege nicht einmal zu kümmern.
Zurück zum Menschen Armin Diel. Ich kenne Dich als vielseitigen Freund und Nachbarn:
Als anspruchsvollen Skatspieler, dabei immer hellwach: „Man macht sich nicht beliebt, wenn man nur immer gewinnt“ Diese Deine Aussage hältst Du selbst nicht ein: Du gewinnst (fast) immer und bist doch ein beliebter Skatspieler.
Als Sportler: Beim Joggen und Radfahren haben wir vieles besprochen. Die Luft blieb oft mal weg, nicht wegen des Sports, sondern weil zu vieles besprochen wurde. im Lauf der Jahre brauchten wir allerdings oft nur ein Wort zu sagen und der andere hatte schon verstanden.
Als Liebhaber der Künste: Vor drei Wochen besuchten die beiden Ehepaare Diel und Pieroth die Salzburger Festspiele: Ich habe Dich bewundert, dass Du tatsächlich einige Stunden ruhig sitzen bleiben kannst. (ruhig??)
Als Weinfachmann, z.B. im Burgund oder auf einer Weinreise in der Schweiz, in Graubünden (Gantenbein, Donatsch, Schloß Salenegg) Eine interessantere Weinreise kann ich mir nicht vorstellen.
Unterwegs bist Du über Handy ständig mit der Welt in Kontakt, mit Deiner Familie, Mitarbeitern, Freunden und Kunden. Der menschliche Kontakt ist für Dich ein großes und dauerndes Bedürfnis. Dabei ist Dir nichts zu viel.
In früheren Jahren hatte ich oft Probleme mit Deiner Offenheit, etwa wenn in einem Restaurant etwas nicht stimmte. Ich bin da lieber still, nicht so Armin Diel. Nicht jeder hat Deine Kritik so verstanden wie Du sie meinst, als Anregung, es doch besser zu machen.
Du bist nicht immer bequem mit Deinen Aussagen, aber Du bist ehrlich: Ich habe oft mitbekommen, dass Du aber gerade als Kritiker von Weinkollegen und Restaurants sehr korrekt bist. Und dass ist die Gradwanderung, auf der Du Dich nun mal bewegst, die von Dir sehr ernst genommen wird und Dich auch häufig belastet.
Liebe Gäste, ich habe in wenigen Minuten versucht, eine Familie zu beschreiben, die ich sehr schätze und der ich herzlich zum Jubiläum gratuliere, und einen Menschen, Armin Diel den Weinfachmann, den Unternehmer, den Kritiker, den Freund und den Berater. Damit ich nicht zu sehr lobe: Lieber Armin, was wärst Du ohne Mo, ohne Deine liebe Frau? Ihr beide ergänzt Euch so ideal, helft Euch gegenseitig. Dadurch seit Ihr beide doppelt sympathisch. Ich wünsche Euch (und mir), dass es immer so bleibt. 
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