Michael Prinz zu Salm Salm: Festrede vom 5. September 2002 anlässlich des 200. Jubiläums von Schlossgut Diel Sehr herzliche Glückwünsche zum 200. Geburtstag überbringe ich für die 200 Winzerkollegen im Verband der deutschen Prädikatsweingüter.
Sie können sich vorstellen, dass ich beim historischen Referat von Herrn Dr. Schmitt hauptsächlich darauf gewartete habe, ob er Mitteilung davon macht, dass der Kaufreis vor 200 Jahren auch wirklich gezahlt wurde. Das interessiert mich deswegen, weil der Verkäufer, Wolfgang Heribert von Dalberg, mein sechsfacher Urgroßonkel ist und weil ich das Erbe meiner Großmutter Dalberg verwalten darf - inklusive der Stammburg in Dalberg.
Haben die Diels also gezahlt? Ich habe darüber in unseren Kassenbüchern keinen Beleg gefunden. Bevor ich aber die heutige Feier durch den Auftritt eines Gerichtsvollziehers noch spannender gestaltet hätte, habe ich mir überlegt, ob es bei Diels üblich sein könnte, die Zeche zu prellen. Ich bin zum Schluß gekommen: vieles ist bei Diels denkbar, aber das nun sicher nicht. Also kein Gerichtsvollzieher, sondern meine öffentliche Erklärung: „wir verzichten für alle Zeiten auf Geltendmachung der Kaufpreisforderung“.
Das Jubiläum, das wir heute in diesem schönen Rahmen feiern, war ein guter deal. Das es ein guter deal war, erkennt man an den Zahlen, die in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu lesen waren. Sie sind das Ergebnis tüchtiger Unternehmertätigkeit - herzlichen Glückwunsch!
Wie wir gehört haben, waren auch meine väterlichen Vorfahren, die Salm‘s, die ja des Stammes der Wild- und Rheingrafen sind, um 1200 schon einmal Besitzer des Schlosses Leyen.
Lieber Armin, für die Zukunft sollte man also nichts ausschließen - nichts ist undenkbar!
Ich hatte etwas Sorge, die Einladung zum heutigen Tage anzunehmen, als ich las, was Gästen, die in Burg Layen Zuflucht fanden, abgeknöpft wurde. Im Original des Burgfriedens von Leyen aus dem Jahr 1393 heißt es da: „für die Schutzgewährung soll ein Fürst geben: 20 Gulden. Ein Stadtbewohner soll soviel geben wie ein Fürst“. Auch das ist heute anders, denn für ihre Gastfreundschaft ist die Familie Diel mehr als zu loben. Für viele Gastfreundschaft haben wir zu danken, herzlichst zu danken.
1772 - also in der Zeit nach den Rheingrafen und vor Dalberg - hielten sich, wie wir von Herrn Dr. Schmitt hörten, in den Resten der Gebäude „von oben bis unten lauter Lumpengesindel auf, das sich von Raub, Holzstehlen und Besenbinden ernährte“. Die Zeiten sind besser geworden. Heute ernährt man sich hier von Weinbau und Journalismus und das, wie wir wissen, gut. Das hat mit Menschen zu tun – deshalb will ich heute in erster Linie von Mensch zu Mensch sprechen.
Armin, Du bist ein vielseitiger Mensch, wahrscheinlich liegst an unserem gemeinsamen Geburtsjahrgang 1953, der Jahrhundertwein. Du bist Skatspieler, Fußballkenner, Chorsänger - ohne immer im Chor zu singen – und Jurist, der seine Prozesse zu gewinnen gewohnt ist.
Armin, wir kennen uns lang, seid Deiner Zeit als Ford Osi-Fahrer. Sie erinnern sich an das Auto, was aussah wie ein Maserrati, aber nur über einen Ford M17 Motor verfügte. Gekauft mit Geld, was Du Dir mit Weinverkauf in London verdient hast. Ein richtiger Parkplatz-Bomber. Du warst also schon immer ein Großverdiener.
Du bist nicht einfach, auch nicht einfach zu beschreiben:
Du bist innovativ - hast alles schon ausprobiert und was Du ausprobierst, auch angepriesen. Ein bisschen nach der Devise des alten Adenauers „was schert mich mein dummes Geschwätz von gestern“.
Armin, Du hast Mode gemacht, Stile geprägt. Der trockene große deutsche Wein wurde durch Dich hoffähig und der fruchtige edelsüße erlebte durch Dich seine Renaissance. Wie der Mensch auf zwei Beinen steht, hast Du früh erkannt, dass auch der Nahewein beiden Versionen voranschreitet. Die Bedeutung globaler Märkte hast Du nie unterschätzt.
Du hast Verantwortung übernommen - jetzt schon über 10 Jahre als Vorsitzender im VDP Nahe. Du hast den VDP zur Renaissance geführt. Du hast Dich um den VDP, um den deutschen Wein verdient gemacht. Du engagierst Dich für die besten Lösungen, gehst beinahe selbst- quälerische Mühen ein, um Perfektion zu erreichen.
Insbesondere die Klassifikation an der Nahe hat Armin Diel vorangetrieben. Er ist der Vater des Statuts der Prädikatsweingüter an der Nahe von 1997. Noch Generationen später, selbst wenn es z. T. heute noch nicht erkannt wird, werden diesen Meilenstein rühmen. Die Nahe-Klassifikation ist besonders strikt. Der VDP Nahe ist Vor-reiter. Die Neuauflage der historischen Lagenklassifikation, die mit Hilfe der Sparkasse Rhein-Nahe 1995 in Anwesenheit von Ministerpräsident Beck vorgestellt wurde, war ein kühner erster Schritt. Damals hast Du zum Ministerpräsidenten gesagt: „Es wird schwer sein, Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz zu sein, wenn Hessen klassifiziert und Rheinland-Pfalz nicht. Hessen schafft‘s über alle Parteigrenzen hinweg und Rheinland-Pfalz muss nachziehen.
Du spielst auf vielen Klavieren, auf allen aber virtuos. Du bist unstillbar neugierig.
Armin, Du bist ehrlich, manchmal fast verletzend ehrlich – bis knapp an die Schmerzgrenze ehrlich. Wenn er nicht so ehrlich wäre, könnte man ihn als schillernd bezeichnen – so trifft es besser, wenn man sagt, Du überstrahlst vieles und viele.
Nicht nachtragend: als Armins Diels „Großvater“ im Vorsitz des VDP Nahe, musste ich dem Neumitglied Diel wegen einer der damaligen VDP-Politik zuwider- laufenden öffentlichen Äußerung per Einschreiben einen Abmahnung zusenden. Es hat unserer Freundschaft keinen Abbruch getan. Heute ist Armin Diel mein Nahe- Vorsitzender, quasi mein Boss. Nachtragend ist er nicht, vergesslich aber auch nicht.
Es würde ihn kränken, wenn man ihn als einfaches Gemüt bezeichnet. Armin Diel ist, was man beim ersten Hinsehen nicht vermuten würde, sensibel - kein Dickhäuter.
Armin, Du bist ein Kulturschaffender - nicht nur durch brillante Feder, nein das Schlossgut Diel selbst ist ein Kulturgut von nationalem, ja internationalem Klang. Es ist nicht selbstverständlich, aber vorbildlich, wie liebevoll die alten Gemäuer gepflegt werden.
Das beste Zeugnis für einen Mann ist seine Frau Mo, Du bist eine tolle Frau. Armin, es war einfach schön, dass Du Deine Mo heute so gepriesen hast. Ihr habt großartige Kinder. Caroline war Naheweinprinzessin. Das hat mir mit meinem Namen natürlich besonders gut gefallen, wenn sie Königin geworden wäre, wären ja die Verhältnisse auf den Kopf gestellt worden.
Ich schätze an Dir Mo, und Dir Armin, dass man auch ganz persönlich mit Euch sprechen kann. Wir haben uns über unsere Söhne ausgetauscht. Beide haben wir sie nach England geschickt - es hat Ihnen gut getan.
Liebe Mo, lieber Armin, für diese sehr persönliche Zuwendung danke ich Euch.
Er ist wie ein guter Nahwein - von kräftiger, oft barocker Statur, aber immer mit Spritz und Schliff. Gute Naheweine sind die besten der Welt – ja Armin, so ist es. So ist es auch mit Dir. Ein guter Deal/Diel (im doppelten also nicht nur englischen Sinn des Wortes) ist etwas Wunderbares.
Dem Schloßgut Diel, der ganzen Familie Diel nochmals die herzlichsten Glückwünsche
- ad multos annos - ad multos generationes
noch viele gute deals/Diels und Gottes Segen 
|