Wolfram Siebeck’s Weinlese (22)

 
DIE ZEIT vom 15. Januar 2004
  

MEHR NOCH als der gleichnamige Restaurantführer spielt der Gault Millau WeinGuide eine wichtige Rolle in der deutschen Gourmet-Szene. Kürzlich ist die Ausgabe 2004 erschienen, mit fast 800 Seiten dicker denn je und mehr Weine registrierend als vergleichbare Weinführer. Aber kann man den Gault Millau mit anderen vergleichen? Er hat sich im Laufe der Jahre als das verlässlichste Nachschlagewerk erwiesen. Verlässlich jedenfalls für mich, weil die Bewertungen der Herausgeber meistens mit meinen übereinstimmen. Das bedeutet aber lediglich, dass bestimmte Gehirnzellen bei mir gleich reagieren wie bei den Gault Millau-Autoren Armin Diel und Joel Payne. Und es berücksichtigt nicht, dass ich nur einen Bruchteil der aufgeführten Weine schon getrunken habe. Diel und Payne haben 800-mal einen Mund voll Wein mit einem anderen verglichen und benotet. Das ist noch keine übermenschliche Leistung, aber mühsam und ziemlich freudlos, vor allem wenn man wie die beiden noch einen Hauptberuf hat. Aber was hilft es: Wenn meine Lieblingswinzer fast alle in den obersten Rängen erscheinen, kann die Bewertung des WeinGuide nicht falsch sein. Sie kumuliert in dem Satz „Noch nie gab es so viele gute Winzer in Deutschland, die eine solche Fülle an bemerkenswerten Weinen erzeugen.“

 

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