1999 – ein ideales Burgunderjahr

Schon frühzeitig deutete der Vegetationsverlauf des Jahres 1999 auf beste natürliche Voraussetzungen für einen weiteren großartigen Wein-Jahrgang an der Nahe hin: Die mittlere Temperatur lag im ersten Quartal deutlich über dem Durchschnitt, was den Austrieb der Reben begünstigte. Die Blüte setzte in den besten Lagen des Gutes bereits um den 8. Juni ein und verlief störungsfrei. Allerdings machte der Ansatz von bis zu vier Gescheinen pro Fruchtauge umfassende Ausdünnungsarbeiten erforderlich.

Auch der warme und feuchte Juli begünstigte das Wachstum der Reben: Allein am 6. Juli brachte ein ausgedehnter Landregen 72 Liter Niederschlag. Am Folgetag verwandelte ein Wolkenbruch mit 15 Liter Niederschlag in nur 20 Minuten die Ortsdurchfahrt von Burg Layen in einen Sturzbach. Doch lag die gesamte Niederschlagsmenge des Jahres 1999 sogar unter dem langjährigen Schnitt. Hingegen war die mittlere Jahrestemperatur die höchste der letzten 50 Jahre. Mit 1.722 Sonnenscheinstunden wurden sogar legendäre Spitzenjahre wie 1959 und 1976 übertroffen: Abgesehen vom November waren alle anderen Monate des Jahres 1999 wärmer als der Durchschnitt.

Ein Indiz für den Vegetationsvorsprung des Jahres 1999 war schließlich die Tatsache, dass in den Spitzenlagen des Gutes bereits am 10. August, dem Tag der spektakulären Sonnenfinsternis, die ersten Riesling-Trauben weich wurden. Aufgrund des starken Behanges wurden praktisch alle Weinberge nochmals ausgedünnt und die Blätter in der Traubenzone entfernt. Apropos, Blätter, die blieben bis zum 1. November grün und konnten bis weit in die Hauptlese, die am 18. Oktober begann und am 14. November endete, ihre wichtige Funktion der Zuckerbildung wahrnehmen.

Der Jahrgang 1999 setzt in der Folge großartiger Ernten der 90er Jahre einen weiteren Höhepunkt: Bei der selektiven Handlese konnte durchweg gesundes Lesegut eingebracht werden, die Rieslingtrauben waren goldgelb und auch die roten Trauben prächtig ausgefärbt. In die weinbaulichen Annalen des Gutes wird das Jahr 1999 vor allem wegen der Güte seiner Burgunderweine als Jahrhundert-Jahrgang eingehen: Die Oechslegrade der hochreifen, dabei aber kerngesunden Trauben lagen beim Grauen und beim Weißen Burgunder zwischen 94° und 110° Oechsle, also im Bereich hochwertiger Auslesen. Erste Verkostungen der Jungweine offenbaren eine ungewöhnliche Geschmacksfülle verbunden mit einer zartschmelzigen Eleganz. Diese 99er Weine werden in den nächsten Jahren fabelhafte Essensbegleiter sein.

Der Riesling erbrachte in den Spitzenlagen des Gutes eine aussergewöhnliche Palette hochwertiger trockener Weine, eleganter Spätlesen und prachtvoller Auslesen. Der Ertrag lag dort bei nur 58 hl/ha. Den Abschluss der Ernte bildete traditionell die Eisweinlese, die am 16. November begann und sich bis zum 25. Januar 2000 hinzog. Durch die späte Ernte wiesen die Trauben allerdings kaum mehr die für Eisweine typische Fruchtsäure auf, weshalb man sich in Schlossgut Diel entschloss die Weine als Goldkapsel-Auslesen zu vermarkten.

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