2001 – ein goldener Oktober wie aus dem Bilderbuch

Das Jahr 2001 begann mit sehr kühlen und regnerischen Monaten. Im April regnete es doppelt so viel und im März sogar drei Mal so viel wie im Durchschnitt. Hingegen bescherte der Mai Temperaturen wie im Hochsommer und es regnete kaum noch. In den besten Lagen des Gutes begann der Austrieb am 2. Mai, das Triebwachstum entwickelte sich zügig und störungsfrei. Die Blüte begann am 18. Juni bei zunächst sehr schönem Wetter, im weiteren Verlauf sorgten jedoch kühle und feuchte Nächte für Verzögerungen und auch teilweise für Verrieselungen. Die Monate Juli und August präsentierten sich weiterhin wechselhaft: Auf warme und trockene Perioden folgten immer wieder kühle und feuchte Abschnitte. Um in diesem sachwierigen Medium Pilzinfektionen zu vermeiden, waren umfassende Pflanzenschutzmaßnahmen notwendig. Das galt auch für den September, der einer der feuchtesten seit Jahrzehnten war: Es regnete doppelt so viel wie in Normaljahren. Ganz allgemein erfolgten Austrieb, Blüte und Reifebeginn zwar durchaus noch im üblichen Rahmen, jedoch lag man im Vergleich zum Vorjahr jeweils um eine Woche zurück. Die Aussichten auf einen guten bis sehr guten Jahrgang reduzierten sich von Tag zu Tag. 

Ende September kündigte sich dann ein diametraler Wetterumschwung an: Ein wahrhaft Goldener Oktober mit Temperaturen, die 30 Prozent über dem Normalen lagen, bescherte kaum mehr erhoffte Erntebedingungen. Die Trauben holten einen Großteil ihres Reiferückstandes auf und konnten nach sorgfältigen Vorselektionen bei strahlend blauem Himmel in bestem Gesundheitszustand eingebracht werden. Im Unterschied zu sonstigen Jahren war der Säurerückgang während der Traubenreife diesmal deutlich verlangsamt. In den extrem warmen Oktobertagen wurde ungewöhnlich viel Wasser in den Trauben verdunstet, was zu einer natürlichen Konzentration von Zucker und Säure führte. 

Auffällig war weiterhin, dass beim Pressen die festen Traubenteile bei weitem die flüssigen überwogen: Die Trauben waren sehr markig und ergaben nur eine kleine Erntemenge. Mit einer Vielzahl hochwertiger Spät- und Auslesen liegt der Jahrgang 2001 qualitativ aber in der Spitzengruppe der letzten Jahrzehnte. Wieder einmal wurde Geduld bei der Lese belohnt: Die Rieslingtrauben waren goldgelb gefärbt und von delikater Aromatik. Auch die Qualität der Burgundersorten ließ am Ende kaum mehr Wünsche offen. Dies gilt insbesondere auch für den Blauen Spätburgunder, dessen Trauben in einer bislang nicht gekannten Güte geerntet werden konnten.

In der Nacht zum 10. November sinken die Temperaturen auf minus 7° Celsius und ermöglichen die früheste Eisweinlese im Schlossgut Diel seit 1966. Hierfür waren Parzellen in den Spitzenlagen Goldloch, Pittermännchen und Burgberg sowie im Klosterpfad mit Cellophanfolie umhüllt worden, um sie vor Vogelfraß und Regen zu schützen. Die übrigen Eisweintrauben werden in den frühen Morgenstunden des 14. Dezember bei minus 8° Celsius eingebracht. Extremer Ostwind ließ die Temperatur etwa doppelt so kalt „fühlen“. Aufgrund ihres ausgewogenen Verhältnisses von edler Fruchtsüße und rassiger Säure sind die 2001er Eisweine durchweg von vorzüglicher Güte.

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