Das Winzer-Jahr im Schlossgut Diel

Dezember bis Februar Rebschnitt von Hand
März Anbinden der Reben von Hand
April bis Mai Neupflanzung
April bis August Bodenbearbeitung
Mai bis August Pflanzenschutz
Juni bis Juli Ausbrechen der Wildtriebe
Juni bis Juli Einstecken der Reben  
Juli bis August Einkürzen der Reben
Juli bis August Entblättern in der Traubenzone  
August Grüne Lese von Hand
Oktober bis November Traubenlese von Hand
November bis Dezember Eisweinlese von Hand
 

Jahrgang 2007 - Erfolg der Geduld

Nach einem milden Winter praktisch ohne Schneefall begann das Frühjahr mit außerordentlich milden Temperaturen und auskömmlichen Niederschlägen. Im April explodierte die Natur förmlich: Bei frühsommerlichen Temperaturen konnte der Austrieb in den Dorsheimer und Burg Layer  Spitzenlagen bereits um den 10. April beobachtet werden und damit zwei bis drei Wochen vor dem üblichen Termin! Im gesamten April wird nicht ein einziger Millimeter Niederschlag verzeichnet. Es ist damit der trockenste und auch wärmste April der letzten 200 Jahre.

In der zweiten Maiwoche regnete es endlich wieder und die Temperaturen kühlten deutlich ab. Eine nachfolgende Warmfront begünstigte den frühesten Blütebeginn seit Jahrzehnten, der ab dem 21. Mai einsetzt und in den meisten Lagen am 9. Juni  abgeschlossen ist. Ende Juni erfolgte dann eine deutliche Abkühlung in Verbindung mit ausgiebigen Niederschlägen, welche dem Wachstum der Weinberge ausgesprochen gut tat.

Ab Mitte Juli setzte eine stabile Schönwetterperiode ein mit strahlend blauem Himmel und Temperaturen oberhalb von 30° Celsius. Schöne und warme Tage wechselten sich im  August immer wieder mit kühlen und feuchten ab. Die Trauben befanden sich in exzellentem Gesundheitszustand, jedoch reduzierte sich der im Frühjahr und Sommer noch auf drei Wochen geschätzte Entwicklungsvorsprung der Reben Mitte September auf nur noch acht Tage gegenüber einem Normaljahr.

Erste Vorlesen bestätigten, dass sich der Zuckergehalt der Trauben zwar bereits deutlich erhöht hatte, die Säurewerte aber noch recht hoch lagen und die physiologische Reife deshalb noch längst nicht eingetreten war. Man war in diesem Jahr also gut beraten, den Erntezeitpunkt nicht nur am Mostgewicht der Trauben auszurichten! Wie üblich begann die Lese in Schlossgut Diel mit den Burgunder-Rebsorten, die am 6. Oktober abgeschlossen war. Qualitativ kann man nur von einem großen Erfolg sprechen, was ohne Abstriche sowohl für die weißen als auch die roten Burgunder gilt. Die Entrappung der roten Trauben erfolgte erstmals von Hand, woran sich die Vergärung im offenen Holzbottich anschloss. Diese schonenden Maßnahmen wirkten sich äußerst positiv auf die Entwicklung von delikaten Fruchtaromen und sanften Tanninen aus.

Die Riesling-Hauptlese begann am 4. Oktober und erstreckte sich bei schönstem Herbstwetter auf insgesamt 19 Tage. In aller Ruhe konnten vollreife und aromareiche Trauben eingebracht werden. Aufgrund des hervorragenden Gesundheitszustands war das Gros der Ernte prädestiniert für die Gewinnung hochkarätiger trockener Gewächse. Daneben prägen feinrassige Spät- und Auslesen das Profil dieses außergewöhnlichen Jahrganges. Mit einer grandiosen Riesling Trockenbeerenauslesen aus dem Goldloch krönte Kellermeister Christoph Friedrich seinen zehnten Jahrgang im Schlossgut Diel. Insgesamt lag die Erntemenge 2007 über den beiden sehr knappen Vorjahren und sorgte damit nach zwei kleinen Ernten für einen gewissen Ausgleich.

 

Jahrgang 2006 - Ein Nerven aufreibender Herbst!

 Nach einem kühlen Winter mit Minusgraden bis in den März hinein folgte ein warmer Frühling mit überdurchschnittlichen Temperaturen. Der Austrieb der Reben erfolgte beim Riesling bereits ab Ende April. Die Monate Juni und Juli waren sommerlich heiß und brachten kaum Niederschläge. Pünktlich zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland begann in den besten Lagen die Blüte. Sie verlief einheitlich und störungsfrei, nur vereinzelt kam es zu Verrieselungen. Im Juni wurden an der Nahe 30 Prozent mehr Sonnenstunden verzeichnet, während die Niederschläge mit 12 Millimeter gerade bei einem Fünftel des langjährigen Mittelwertes lagen. Durch das trockene und heiße Wetter verlangsamte sich das Wachstum etwas und man verglich die Entwicklung bereits mit den Jahren 2003 und 2005.

 Der Ende Juli einsetzende Wetterumschwung führte dazu, dass es im August deutlich kühler war als üblich und fast doppelt so viel regnete. Der September zeigte sich dann von seiner launischen Seite: Auf warme und sonnige Tage in der ersten Hälfte folgte am Monatsende eine Periode starker Niederschläge, welche sich zwischen dem 30. September und 3. Oktober auf rekordverdächtige 100 Millimeter addierten. Während die allgemein als besonders sensibel geltenden weißen und roten Burgundersorten diese Phase nahezu unbeschadet überstanden, war der Riesling hiervon stärker betroffen. Teilweise konnten sogar aufgeplatzte Beeren beobachten werden.

 Eine besondere Herausforderung stellte der ungleichmäßige Reifezustand der Trauben dar: An ein und demselben Rebstock befanden sich sowohl unreife als auch vollreife sowie zunehmend faule Traubenteile. An eine flächendeckende Lese, wie sie in vielen Jahren möglich ist, war nun jedenfalls nicht mehr zu denken und der Mitte September erstellte Ernteplan endgültig Makulatur. In dieser Situation war es von entscheidender Bedeutung, über eine schlagkräftige und hoch motivierte Lesemannschaft zu verfügen. Obendrein wirkte sich positiv aus, dass es während der kommenden Tage keinen einzigen Tropfen mehr regnete. Praktisch an allen Erntetagen, Samstage und Sonntage inklusive, wurde zwölf Stunden gearbeitet und anstatt der üblichen vier bis fünf Wochen dauerte die 06er Lese gerade einmal zwei Wochen. Wie sich heute zeigt, wurde dieser Einsatz mit glasklaren, wunderbar fruchtigen Weinen belohnt, an deren Spitze exzellente Grosse Gewächse sowie herrliche Spät- und Auslesen stehen. Allerdings wurde dieses qualitativ überaus erfreuliche Ergebnis mit äußerst geringen Ernteerträgen „bezahlt“, die in den Dorsheimer Spitzenlagen nur selten 30 Hektoliter je Hektar überschritten. 

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass der Jahrgang 2006 zwar nicht alle Wünsche erfüllte, weil Spitzenprädikate wie Beeren- und Trockenbeerenauslesen nicht möglich waren. Hingegen haben sich die Befürchtungen, welche man Mitte Oktober aufgrund der fortschreitenden Botrytis durchaus hegen konnte, gottlob nicht bewahrheitet. Selten zuvor hat sich der Aufwand einer pingeligen Traubenlese und der sofortigen Verarbeitung des Lesegutes mehr ausgezahlt als 2006. Im Unterschied zum Vorjahr, als man die Lese bei schönem Herbstwetter in aller Ruhe einbringen konnte, ist 2006 deshalb ein Jahrgang des Winzers!

 

Jahrgang 2005 – Herausragende Qualität bei kleiner Ernte

 

Das Jahr begann deutlich wärmer als im langjährigen Mittel, nur im Februar war es kälter als üblich. Im Gegensatz zu den ersten drei trockenen Monaten des Jahres waren im April und Mai deutlich größere Niederschläge zu verzeichnen. Trotz nächtlicher Abkühlungen begann der Austrieb praktisch in allen Weinbergen Ende April und damit etwa eine Woche früher als üblich. Der insgesamt recht kühle Mai verlangsamte dann die Entwicklung der Reben, welche sich aufgrund ausgiebiger Niederschläge und frühsommerlicher Temperaturen dann ab Anfang Juni schlagartig beschleunigte: Die Blüte begann vereinzelt bereits um den 10. Juni, verzögerte sich dann aber aufgrund kühlerer Nächte um einige Tage und führte in geringem Umfang zu Ertragseinbußen durch Verrieselung. Der Sommer war an der Nahe einer der wärmsten der letzten 200 Jahre und sorgte bis Ende Juli für einen Vegetationsvorsprung von gut zwei Wochen, bevor kühlere Tage Anfang August die Entwicklung verlangsamten.

 

Bereits am 20. September begann die Ernte der roten Traubensorten, die eine kräftige Farbe und ein wunderbares Beerenaroma aufwiesen. Nach etwas kühleren und feuchteren Tagen stellte sich ab dem 2. Oktober ein regelrechter Altweibersommer ein, der praktisch die gesamte Lese begleitete: Lediglich an zwei Oktobertagen regnete es!

 

Ab dem 15. Oktober wurden alle Weißwein-Weinberge vorgelesen, um vollreife, gesunde Trauben für die trockenen Classicweine und den Diel de Diel zu sichern. Beim Riesling begann die Hauptlese am 19. Oktober. Um glasklare, trockene Weine zu gewährleisten erfolgte die Ernte der Großen Gewächse im Stil einer umgekehrten Selektion: Aus den von Botrytis geprägten Trauben wurden die goldgelben, gesunden Teile von Hand aussortiert. Zu guter Letzt ermöglichte ein abschließender Selektionsdurchgang Ende Oktober die erfolgreichste Ernte edelsüßer Beerenauslesen in der Geschichte von Schlossgut Diel.

 

Ein Wermutstropfen, der die Freude über diesen qualitativ herausragenden Jahrgang relativiert, ist der geringe Ertrag beim Riesling. Er lag in den Dorsheimer Spitzenlagen des Gutes bei gerade einmal 3o Hektoliter je Hektar. Erfreulicher sieht die Bilanz bei den weißen und roten Burgundersorten aus, die eine weitgehend normale Ernte ermöglichten. Hingegen wurde erstmals seit 15 Jahren auf die Gewinnung von Eisweinen verzichtet.

 

Die 05er Weine präsentieren sich überaus fruchtbetont mit einer sehr eleganten Säure. Insbesondere die trockenen Großen Gewächse spiegeln eindrucksvoll das unterschiedliche Terroir ihrer Weinberge wieder: Während die Rieslinge aus dem Pittermännchen mit feinsten Mineralien vom Schieferboden brillieren und die von kieselhaltigem Lehmboden stammenden Goldloch-Weine majestätische Fülle zeigen, faszinieren die Rieslinge aus dem Burgberg durch ihre vom Quarzitboden geprägte Eleganz. Aufgrund ihres feinen Säurespiels dürften die edelsüßen Spitzenweine selbst legendäre Jahrgänge wie 1959, 1971, 1976 und zuletzt 2003 übertreffen.

 


2004 – Ein klassisches Spätlese-Jahr

Nach sehr warmen und trockenen Wintermonaten beginnt das Knospenschwellen der Reben pünktlich zu Ostern und der gleichmäßige Beginn des Austriebs erfolgt in der 17. Kalenderwoche. Ein über fünf Tage verteilter Landregen beschert Anfang Mai gute Vorraussetzungen für das weitere Wachstum. Insgesamt bleibt die Niederschlagsmenge aber auch im Mai unter dem langjährigen Durchschnitt. Die so genannten Eisheiligen werden zwar schadlos überstanden, jedoch beschert die Schafskälte einige Frostschäden beim Blauen Spätburgunder. Auch im Juni bleibt es weiterhin trocken, die Niederschläge erreichen lediglich zwei Drittel des üblichen. In den besten Dorsheimer Weinbergslagen beginnt die Blüte am Pfingstwochenende und zieht sich in den übrigen Parzellen bis zum 20. Juni hin. Leichter Hagelschlag sowohl am 19. als auch 21. Juni hinterlässt praktisch keine Schäden. Bis Ende des Monats erreichen die Fruchtansätze bereits die Größe von Schrotkörnern, womit der Entwicklungsstand der Reben im Rahmen des üblichen liegt. Trotz der geringen Niederschläge des ersten Halbjahres können bislang kaum Stress-Symptome festgestellt werden, allein die neu gepflanzten Reben müssen gewässert werden
Im Juli liegen die Niederschläge zwar leicht über dem langjährigen Mittel, jedoch bleibt die Wasserbilanz auf das Jahr betrachtet weiterhin negativ. Um eine Wasserkonkurrenz zu vermeiden wird die Begrünung in den Direktzuglagen gemulcht und die offenen Zeilen werden nur flach gepflügt. Beim so genannten Traubenschluss zeigen sich Ende Juli viele Jungfernbeeren, die für einen lockeren Traubenaufbau sorgen. Anfang August sorgen sanfte Landregen für ein gleichmäßiges Wachstum. Wie üblich, werden Anfang September    unreife Traubenteile von Hand herausgeschnitten (Grüne Lese) und die Blätter in der Traubenzone zugunsten einer besseren Durchlüftung des Rebstocks entfernt. Mit nur 17 Millimeter Niederschlag setzt der September die Trockenperiode des Jahres fort, die mittlere Temperatur des Monats liegt bei 15,7° Celsius.

Ausgerechnet der Oktober präsentiert sich zunächst von seiner launischen Seite: es ist kühl und regnerisch (42 mm). Der Erntebeginn verzögert sich dadurch bei den Burgundersorten auf den 19. Oktober, die Riesling-Lese startet vier Tage später. Das Wetter stabilisert sich Ende Oktober wieder und ermöglicht die Ernte kerngesunder Trauben, die sich durch eine hohe physiologische Reife und eine pikante Fruchtsäure auszeichnen. Die roten und weißen Burgundersorten zeigen durchweg hohe Qualität und der Riesling beschert ideale Voraussetzungen für die Erzeugung hochkarätiger Großer Gewächse und feinrassiger, natursüßer Spätlesen. Der Hektarertrag liegt mit 68 Hektoliter deutlich über dem Vorjahr, in den Spitzenlagen sind es im Schnitt 56 hl/ha. Nach Abschluss der Hauptlese am 15. November, stehen die Vorbereitungen für die Eisweinlese an: Um die Trauben gegen Regen, Vogel- und Wildfraß zu schützen, werden die Rebzeilen mit atmungsaktiver Kunststofffolie umspannt. Beim ersten Versuch am 21. November, ist es noch nicht kalt genug: Im Burgberg reicht es bei minus fünf Grad nur zu einer Auslese mit 100° Oechsle. Die eigentliche Eisweinlese erfolgt an vier kalten Dezembertagen - gewissermaßen im Doppelpack - am 10./11. und am 20./21. Dezember. Bei der 15. Eisweinlese in Folge liegt das höchste Mostgewicht bei 170° Oechsle.


Kellermeister Christoph Friedrich beim Keltern.

 

Weitere Jahrgangsberichte:

2003  2002 200120001999


 

Schlossgut Diel im Wechsel der Jahrgänge

Jahrgang Ertrag Qualität
 
2007 Groß ****/*
2006 Sehr klein ***
2005 Klein *****
2004 Groß ****
2003 Normal *****
2002 Groß ****
2001 Normal ****
2000 Normal ***
1999 Groß ****
1998 Normal ****
1997 Normal ***
1996 Normal ****
1995 Sehr klein **** 
1994 Normal ****
1993 Klein *****
1992 Groß ***
1991 Klein **
1990 Normal *****
1989 Normal ****
1988 Normal ***
1987 Klein **
1986 Klein ***
1985 Normal ****
1984 Sehr klein *
1983 Groß *****
1982 Sehr groß **
1981 Klein ***
1980 Klein **
1979 Normal ***
1978 Klein *
1977 Normal *
1976 Groß *****
1975 Normal ****
1974 Normal **
1973 Groß ***
1972 Normal **
1971 Normal *****
1970 Sehr groß ***
1969 Normal ***
1968 Klein *
1967 Normal ****
1966 Normal ***
1965 Sehr klein *
1964 Groß ****
1963 Klein **
1962 Normal ****
1961 Normal ***
1960 Klein **
1959 Normal *****
 

          Ertragsmenge:

Sehr Groß: mehr als 70 hl/ha
Groß: Mehr als 60 hl/ha
Normal: 50-60 hl/ha
Klein: 40-50 hl/ha
Sehr klein: weniger als 40 hl/ha

Schlossgut Diel

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              Qualität:

*****  Grandioser-Jahrgang 
****    Großartiger Jahrgang 
***      Sehr guter Jahrgang   
**        Guter Jahrgang        
*          Normaler Jahrgang    
 


 


Schlossgut Diel
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