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Der Winter ist überdurchschnittlich warm und feucht, Schnee allerdings ist wieder einmal Mangelware. Der April ist deutlich kühler als im Vorjahr, wodurch der Austrieb der Reben etwa 14 Tage später erfolgt, was aber durchaus einem üblichen Zeitpunkt entspricht. Diese Entwicklung setzt sich bis zum Blütebeginn um den 10. Juni fort. Die so genannte Schafskälte verzögert den Blüteverlauf, der durch starke Regenfälle in der zweiten Junihälfte erneut verlangsamt wird. Vereinzelt festgestellte Verrieselungen führen zur Bildung kleinerer Beeren und beeinflussen die Qualität in positiver Weise. Der Juli ist sommerlich warm und regelmäßige Niederschläge sorgen für ein gutes Wachstum der Reben. Am Abend des 30. Juli geht über der Naheregion ein ergiebiger Wolkenbruch nieder, der die Ortsdurchfahrt von Burg Layen und etliche Weinkeller bis zu einem halben Meter überflutet. Auch das Kelterhaus und die Vinothek von Schlossgut Diel stehen unter Wasser. Durch das Gewitter entwickelt sich ein heftiger Hagelschlag, wie er an der Nahe seit 30 Jahren nicht mehr vorkam. Große Teile der Burg Layer Weinberge sind davon betroffen, was in einzelnen Parzellen zu einem Verlust der halben Ernte führt. Gänzlich verschont von den Auswirkungen dieses Naturereignisses bleiben hingegen die Dorsheimer Spitzenlagen Goldloch, Burgberg und Pittermännchen. Im August kehrt der Hochsommer mit Temperaturen um 30 Grad Celsius zurück und beschleunigt den Reifebeginn der Trauben. Ein kühler und feuchter September begünstigt das langsame Heranreifen der Trauben, was die Entwicklung einer Aromenvielfalt der Früchte begünstigt. Allerdings verzögert sich der Lesebeginn dadurch bis in den Oktober hinein. Die Ernte der weißen Burgundersorten beginnt am 10. Oktober und damit exakt einen Monat später als im Vorjahr. Ähnlich sieht es beim Riesling aus, dessen Lese am 15. Oktober beginnt und sich über vier Wochen erstreckt. Die Entscheidung zu einer späten Lese wird mit voll ausgereiften Trauben belohnt, welche sich durch eine feinrassige Fruchtigkeit auszeichnen. Die Stärken des Jahrgangs liegen insbesondere bei den trockenen Grossen Gewächsen und klassischen Spätlesen, die auf ideale Weise das Terroir der einzelnen Lagen widerspiegeln. Aufgrund ihrer genialen Frische sind die Riesling-Weine am ehesten mit den Jahrgängen 1990, 1996, 1998 und 2004 vergleichbar. Kalte Temperaturen von minus zehn Grad ermöglichen in der Nacht zum 30. Dezember die Ernte eines hervorragenden Eisweins, dessen Mostgewicht bei 170 Grad Oechsle liegt. Damit schließt Schlossgut Diel an eine lange Tradition an, die dem Gut zwischen 1990 und 2004 Jahr für Jahr außergewöhnliche Eisweine bescherte. Der Hagelschlag vom Juli wirkt sich insbesondere mindernd auf den Ertrag der Rotweine aus. Nach einer überaus peniblen Lese werden die Trauben von Hand entrappt, in offenen Holzgärbottichen vergoren und behutsam mit Füßen gestampft. Diese schonenden Maßnahmen begünstigen die Entwicklung von delikaten Fruchtaromen und sanften Tanninen.
Jahrgang 2007 - Erfolg der Geduld Nach einem milden Winter praktisch ohne Schneefall begann das Frühjahr mit außerordentlich milden Temperaturen und auskömmlichen Niederschlägen. Im April explodierte die Natur förmlich: Bei frühsommerlichen Temperaturen konnte der Austrieb in den Dorsheimer und Burg Layer Spitzenlagen bereits um den 10. April beobachtet werden und damit zwei bis drei Wochen vor dem üblichen Termin! Im gesamten April wird nicht ein einziger Millimeter Niederschlag verzeichnet. Es ist damit der trockenste und auch wärmste April der letzten 200 Jahre. In der zweiten Maiwoche regnete es endlich wieder und die Temperaturen kühlten deutlich ab. Eine nachfolgende Warmfront begünstigte den frühesten Blütebeginn seit Jahrzehnten, der ab dem 21. Mai einsetzt und in den meisten Lagen am 9. Juni abgeschlossen ist. Ende Juni erfolgte dann eine deutliche Abkühlung in Verbindung mit ausgiebigen Niederschlägen, welche dem Wachstum der Weinberge ausgesprochen gut tat. Ab Mitte Juli setzte eine stabile Schönwetterperiode ein mit strahlend blauem Himmel und Temperaturen oberhalb von 30° Celsius. Schöne und warme Tage wechselten sich im August immer wieder mit kühlen und feuchten ab. Die Trauben befanden sich in exzellentem Gesundheitszustand, jedoch reduzierte sich der im Frühjahr und Sommer noch auf drei Wochen geschätzte Entwicklungsvorsprung der Reben Mitte September auf nur noch acht Tage gegenüber einem Normaljahr. Erste Vorlesen bestätigten, dass sich der Zuckergehalt der Trauben zwar bereits deutlich erhöht hatte, die Säurewerte aber noch recht hoch lagen und die physiologische Reife deshalb noch längst nicht eingetreten war. Man war in diesem Jahr also gut beraten, den Erntezeitpunkt nicht nur am Mostgewicht der Trauben auszurichten! Wie üblich begann die Lese in Schlossgut Diel mit den Burgunder-Rebsorten, die am 6. Oktober abgeschlossen war. Qualitativ kann man nur von einem großen Erfolg sprechen, was ohne Abstriche sowohl für die weißen als auch die roten Burgunder gilt. Die Entrappung der roten Trauben erfolgte erstmals von Hand, woran sich die Vergärung im offenen Holzbottich anschloss. Diese schonenden Maßnahmen wirkten sich äußerst positiv auf die Entwicklung von delikaten Fruchtaromen und sanften Tanninen aus. Die Riesling-Hauptlese begann am 4. Oktober und erstreckte sich bei schönstem Herbstwetter auf insgesamt 19 Tage. In aller Ruhe konnten vollreife und aromareiche Trauben eingebracht werden. Aufgrund des hervorragenden Gesundheitszustands war das Gros der Ernte prädestiniert für die Gewinnung hochkarätiger trockener Gewächse. Daneben prägen feinrassige Spät- und Auslesen das Profil dieses außergewöhnlichen Jahrganges. Mit einer grandiosen Riesling Trockenbeerenauslesen aus dem Goldloch krönte Kellermeister Christoph Friedrich seinen zehnten Jahrgang im Schlossgut Diel. Insgesamt lag die Erntemenge 2007 über den beiden sehr knappen Vorjahren und sorgte damit nach zwei kleinen Ernten für einen gewissen Ausgleich.
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Jahrgang 2006 - Ein Nerven aufreibender Herbst! Nach einem kühlen Winter mit Minusgraden bis in den März hinein folgte ein warmer Frühling mit überdurchschnittlichen Temperaturen. Der Austrieb der Reben erfolgte beim Riesling bereits ab Ende April. Die Monate Juni und Juli waren sommerlich heiß und brachten kaum Niederschläge. Pünktlich zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland begann in den besten Lagen die Blüte. Sie verlief einheitlich und störungsfrei, nur vereinzelt kam es zu Verrieselungen. Im Juni wurden an der Nahe 30 Prozent mehr Sonnenstunden verzeichnet, während die Niederschläge mit 12 Millimeter gerade bei einem Fünftel des langjährigen Mittelwertes lagen. Durch das trockene und heiße Wetter verlangsamte sich das Wachstum etwas und man verglich die Entwicklung bereits mit den Jahren 2003 und 2005. Der Ende Juli einsetzende Wetterumschwung führte dazu, dass es im August deutlich kühler war als üblich und fast doppelt so viel regnete. Der September zeigte sich dann von seiner launischen Seite: Auf warme und sonnige Tage in der ersten Hälfte folgte am Monatsende eine Periode starker Niederschläge, welche sich zwischen dem 30. September und 3. Oktober auf rekordverdächtige 100 Millimeter addierten. Während die allgemein als besonders sensibel geltenden weißen und roten Burgundersorten diese Phase nahezu unbeschadet überstanden, war der Riesling hiervon stärker betroffen. Teilweise konnten sogar aufgeplatzte Beeren beobachten werden. Eine besondere Herausforderung stellte der ungleichmäßige Reifezustand der Trauben dar: An ein und demselben Rebstock befanden sich sowohl unreife als auch vollreife sowie zunehmend faule Traubenteile. An eine flächendeckende Lese, wie sie in vielen Jahren möglich ist, war nun jedenfalls nicht mehr zu denken und der Mitte September erstellte Ernteplan endgültig Makulatur. In dieser Situation war es von entscheidender Bedeutung, über eine schlagkräftige und hoch motivierte Lesemannschaft zu verfügen. Obendrein wirkte sich positiv aus, dass es während der kommenden Tage keinen einzigen Tropfen mehr regnete. Praktisch an allen Erntetagen, Samstage und Sonntage inklusive, wurde zwölf Stunden gearbeitet und anstatt der üblichen vier bis fünf Wochen dauerte die 06er Lese gerade einmal zwei Wochen. Wie sich heute zeigt, wurde dieser Einsatz mit glasklaren, wunderbar fruchtigen Weinen belohnt, an deren Spitze exzellente Grosse Gewächse sowie herrliche Spät- und Auslesen stehen. Allerdings wurde dieses qualitativ überaus erfreuliche Ergebnis mit äußerst geringen Ernteerträgen „bezahlt“, die in den Dorsheimer Spitzenlagen nur selten 30 Hektoliter je Hektar überschritten. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass der Jahrgang 2006 zwar nicht alle Wünsche erfüllte, weil Spitzenprädikate wie Beeren- und Trockenbeerenauslesen nicht möglich waren. Hingegen haben sich die Befürchtungen, welche man Mitte Oktober aufgrund der fortschreitenden Botrytis durchaus hegen konnte, gottlob nicht bewahrheitet. Selten zuvor hat sich der Aufwand einer pingeligen Traubenlese und der sofortigen Verarbeitung des Lesegutes mehr ausgezahlt als 2006. Im Unterschied zum Vorjahr, als man die Lese bei schönem Herbstwetter in aller Ruhe einbringen konnte, ist 2006 deshalb ein Jahrgang des Winzers!
Das Jahr begann deutlich wärmer als im langjährigen Mittel, nur im Februar war es kälter als üblich. Im Gegensatz zu den ersten drei trockenen Monaten des Jahres waren im April und Mai deutlich größere Niederschläge zu verzeichnen. Trotz nächtlicher Abkühlungen begann der Austrieb praktisch in allen Weinbergen Ende April und damit etwa eine Woche früher als üblich. Der insgesamt recht kühle Mai verlangsamte dann die Entwicklung der Reben, welche sich aufgrund ausgiebiger Niederschläge und frühsommerlicher Temperaturen dann ab Anfang Juni schlagartig beschleunigte: Die Blüte begann vereinzelt bereits um den 10. Juni, verzögerte sich dann aber aufgrund kühlerer Nächte um einige Tage und führte in geringem Umfang zu Ertragseinbußen durch Verrieselung. Der Sommer war an der Nahe einer der wärmsten der letzten 200 Jahre und sorgte bis Ende Juli für einen Vegetationsvorsprung von gut zwei Wochen, bevor kühlere Tage Anfang August die Entwicklung verlangsamten.
Bereits am 20. September begann die Ernte der roten Traubensorten, die eine kräftige Farbe und ein wunderbares Beerenaroma aufwiesen. Nach etwas kühleren und feuchteren Tagen stellte sich ab dem 2. Oktober ein regelrechter Altweibersommer ein, der praktisch die gesamte Lese begleitete: Lediglich an zwei Oktobertagen regnete es!
Ab dem 15. Oktober wurden alle Weißwein-Weinberge vorgelesen, um vollreife, gesunde Trauben für die trockenen Classicweine und den Diel de Diel zu sichern. Beim Riesling begann die Hauptlese am 19. Oktober. Um glasklare, trockene Weine zu gewährleisten erfolgte die Ernte der Großen Gewächse im Stil einer umgekehrten Selektion: Aus den von Botrytis geprägten Trauben wurden die goldgelben, gesunden Teile von Hand aussortiert. Zu guter Letzt ermöglichte ein abschließender Selektionsdurchgang Ende Oktober die erfolgreichste Ernte edelsüßer Beerenauslesen in der Geschichte von Schlossgut Diel.
Ein Wermutstropfen, der die Freude über diesen qualitativ herausragenden Jahrgang relativiert, ist der geringe Ertrag beim Riesling. Er lag in den Dorsheimer Spitzenlagen des Gutes bei gerade einmal 3o Hektoliter je Hektar. Erfreulicher sieht die Bilanz bei den weißen und roten Burgundersorten aus, die eine weitgehend normale Ernte ermöglichten. Hingegen wurde erstmals seit 15 Jahren auf die Gewinnung von Eisweinen verzichtet.
Die 05er Weine präsentieren sich überaus fruchtbetont mit einer sehr eleganten Säure. Insbesondere die trockenen Großen Gewächse spiegeln eindrucksvoll das unterschiedliche Terroir ihrer Weinberge wieder: Während die Rieslinge aus dem Pittermännchen mit feinsten Mineralien vom Schieferboden brillieren und die von kieselhaltigem Lehmboden stammenden Goldloch-Weine majestätische Fülle zeigen, faszinieren die Rieslinge aus dem Burgberg durch ihre vom Quarzitboden geprägte Eleganz. Aufgrund ihres feinen Säurespiels dürften die edelsüßen Spitzenweine selbst legendäre Jahrgänge wie 1959, 1971, 1976 und zuletzt 2003 übertreffen.
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Schlossgut Diel im Wechsel der Jahrgänge
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