Der Künstler Johannes Helle
 

Als Johannes Helle im November 1987 den Auftrag erhält, den Tankkeller im Schlossgut Diel einer außergewöhnlichen Gestaltung zu unterziehen, wollte er eigentlich nur drei Monate an der Nahe verweilen. Dass am Ende daraus fast zweieinhalb Jahre werden, liegt an der Tatsache, dass der Künstler immer wieder neue Gestaltungsvorschläge unterbreitet und weitere Kellerräume, Weinbergsmauern sowie Teile des Gutsgebäudes in sein Werk einbezieht. Daneben malt Johannes Helle zahlreiche Bilder und stellt aus Fassdauben weinbezogene Plastiken her, die bei mehreren Ausstellungen im Schlossgut Diel gezeigt und verkauft werden. Im Frühjahr 1990 verlässt Johannes Helle Burg Layen und siedelt zunächst nach Trier und später nach Kaiserslautern um. Seit dem Jahr 2000 lebt er in einem Künstler-Atelierhaus in Berlin-Lichtenberg. Alljährlich im August kehrt Johannes Helle nach Burg Layen zurück, um den Stahltanks im Schlossgut Diel  - als aktualisierte Auffassung seines künstlerischen Wirkens - ein neues Gesicht zu verleihen.
 


Vita Johannes Helle:

geb. 17. August 1931 in Labes in Hinterpommern

1948 - 1951
Malerlehre und Schüler des Freiherrn von Stenglin

1952 - 1955
Hochschule für Bildende Künste in Hamburg

1956 - 1961
Arbeit als Restaurator in Schleswig-Holstein

1962 - 1984
Selbständiger Malermeister

Seit 1985
Tätigkeit als freier Kunstmaler

 

       
                   Details Edition 2001
    
               Details Edition 2002
       
                   Details Edition 2003
    
               Details Edition 2004
       
                  Details Edition 2005
    
               Edition 2006

Aufstand der Weintanks
von Johannes Helle

Es begab sich Anno 1987: Die weiß getünchten Stahltanks im Schlossgut Diel waren unzufrieden mit ihrem Äußeren. Zwar gefiel ihnen durchaus, was in ihrem inneren stattfand, wurden dort seit Alters her einige der besten Naheweine erzeugt. Jedoch bekamen sie selbst von diesem Glanz nur wenig ab. Die Tanks diskutierten, wie dieser Zustand zu beenden sei und drohten dem Gutsinhaber mit Dienstverweigerung. Insgeheim hatten die jüngsten unter den Rebellen sogar das Druckmittel erwogen, eines Nachts ein Fass wertvollsten Weines auslaufen zu lassen.

Dies liefe jedoch auf eine Revolution hinaus, weshalb der Ältestenrat derart rigide Mittel gänzlich ablehnte. Schließlich hatte ihr alter Herr sie stets bestens gepflegt und mit gutem Wein befüllt. Allein mit ihrem Äußeren waren auch die bereits in den 30er Jahren errichteten Senioren gar nicht einverstanden. Doch nun war Rettung in Sicht.Der junge Herr kam aus dem Exil im fernen Westfalen zurück und brachte seinen Freund Johannes mit, fürwahr ein Künstler der Farben. Seine Aufgabe sollte es sein, die unglücklichen Tanks iin neuem Glanz erscheinen zu lassen.

Um das Vertrauen der Rebellen zu gewinnen begab sich Johannes gleich am nächsten Morgen in den Keller und begann mit den Tanks zu sprechen. Zunächst herrschte großes Misstrauen, einige wollten mit dem Künstler par tout nichts zu tun haben. Andere hatten sehr wohl Wünsche, wie sie am liebsten aussehen wollten: Einer wollte so grün sein wie das Weinlaub in den Rebgärten, ein anderer so gelb wie die Sonne, deren Strahlen das Kellerfenster immer streiften. Johannes versprach zwar, dass er die Wünsche eines jeden respektieren wolle, im innersten hatte er sich aber gleichwohl vorgenommen, nur nach seiner Facon zu arbeiten: Ein wahrer Künstler der Farben lässt sich schließlich nicht von Weintanks bevormunden! Er versprach ihnen aber, dass jeder Tank eine besondere Note erhalte, damit man sehr wohl den einen von dem anderen unterscheiden vermag. Mit dem jungen Herrn beriet Johannes sodann, wie die Tanks aussehen und heißen sollten.Sie kamen überein, jedem einzelnen einen Titel zu geben:

1. Begrüßung
2. Rundfahrt um die Burg
3. Weinnixe
4. Der Senator
5. Aug´ in Aug
6. Draußen im garten
7. Schlimme Zeiten
8. Duell
9. Kleine Wesen
10. Sehnsucht
11. Liebe Sonne
12. Verwirrte Frauen
13. Wilde Jagd

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