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Der Künstler
Johannes Helle
Als Johannes Helle im November 1987 den Auftrag erhält, den
Tankkeller im Schlossgut Diel einer außergewöhnlichen Gestaltung zu
unterziehen, wollte er eigentlich nur drei Monate an der Nahe
verweilen. Dass am Ende daraus fast zweieinhalb Jahre werden, liegt
an der Tatsache, dass der Künstler immer wieder neue
Gestaltungsvorschläge unterbreitet und weitere Kellerräume,
Weinbergsmauern sowie Teile des Gutsgebäudes in sein Werk
einbezieht. Daneben malt Johannes Helle zahlreiche Bilder und stellt
aus Fassdauben weinbezogene Plastiken her, die bei mehreren
Ausstellungen im Schlossgut Diel gezeigt und verkauft werden. Im
Frühjahr 1990 verlässt Johannes Helle Burg Layen und siedelt
zunächst nach Trier und später nach Kaiserslautern um. Seit dem Jahr
2000 lebt er in einem Künstler-Atelierhaus in Berlin-Lichtenberg.
Alljährlich im August kehrt Johannes Helle nach Burg Layen zurück,
um den Stahltanks im Schlossgut Diel - als aktualisierte Auffassung
seines künstlerischen Wirkens - ein neues Gesicht zu verleihen.
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Aufstand
der Weintanks
von Johannes Helle
Es begab sich
Anno 1987: Die weiß getünchten Stahltanks im Schlossgut Diel
waren unzufrieden mit ihrem Äußeren. Zwar gefiel ihnen durchaus,
was in ihrem inneren stattfand, wurden dort seit Alters her einige der
besten Naheweine erzeugt. Jedoch bekamen sie selbst von diesem Glanz nur
wenig ab. Die Tanks diskutierten, wie dieser Zustand zu beenden sei und
drohten dem Gutsinhaber mit Dienstverweigerung. Insgeheim hatten die jüngsten
unter den Rebellen sogar das Druckmittel erwogen, eines Nachts ein Fass
wertvollsten Weines auslaufen zu lassen.
Dies liefe
jedoch auf eine Revolution hinaus, weshalb der Ältestenrat derart
rigide Mittel gänzlich ablehnte. Schließlich hatte ihr alter
Herr sie stets bestens gepflegt und mit gutem Wein befüllt. Allein
mit ihrem Äußeren waren auch die bereits in den 30er Jahren
errichteten Senioren gar nicht einverstanden. Doch nun war Rettung in
Sicht.Der junge Herr kam aus dem Exil im fernen Westfalen zurück
und brachte seinen Freund Johannes mit, fürwahr ein Künstler
der Farben. Seine Aufgabe sollte es sein, die unglücklichen Tanks
iin neuem Glanz erscheinen zu lassen.
Um das Vertrauen
der Rebellen zu gewinnen begab sich Johannes gleich am nächsten Morgen
in den Keller und begann mit den Tanks zu sprechen. Zunächst herrschte
großes Misstrauen, einige wollten mit dem Künstler par tout
nichts zu tun haben. Andere hatten sehr wohl Wünsche, wie sie am
liebsten aussehen wollten: Einer wollte so grün sein wie das Weinlaub
in den Rebgärten, ein anderer so gelb wie die Sonne, deren Strahlen
das Kellerfenster immer streiften. Johannes versprach zwar, dass er die
Wünsche eines jeden respektieren wolle, im innersten hatte er sich
aber gleichwohl vorgenommen, nur nach seiner Facon zu arbeiten: Ein wahrer
Künstler der Farben lässt sich schließlich nicht von Weintanks
bevormunden! Er versprach ihnen aber, dass jeder Tank eine besondere Note
erhalte, damit man sehr wohl den einen von dem anderen unterscheiden vermag.
Mit dem jungen Herrn beriet Johannes sodann, wie die Tanks aussehen und
heißen sollten.Sie kamen überein, jedem einzelnen einen Titel
zu geben:
1. Begrüßung
2. Rundfahrt um die Burg
3. Weinnixe
4. Der Senator
5. Aug´ in Aug
6. Draußen im garten
7. Schlimme Zeiten
8. Duell
9. Kleine Wesen
10. Sehnsucht
11. Liebe Sonne
12. Verwirrte Frauen
13. Wilde Jagd

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